PRESSEMITTEILUNG
Stimmen für ein Gesicht


Ein interaktives Projekt von Michael Hauffen im Rahmen von LIFTARCHIV

Ort: Kreisverwaltungsreferat München, Lindwurmstraße, Foyer

Eröffnung: 21. Oktober 2004, 19 Uhr

Dauer: 21. Oktober bis Mitte Dezember 2004


Im Foyer des Kreisverwaltungsreferats (KVR) wird ein neues Gemälde präsentiert. Es befindet sich im gläsernen Lift und zeigt ein Portrait, das durch eine extreme Rasterung – insgesamt bleiben nur 150 „Pixel” als „Auflösung” – bis weit über die Grenze der Unkenntlichkeit hinaus abstrahiert wurde. Aus genügender Entfernung, und vor allem aus den Augenwinkeln heraus, lässt sich allerdings dennoch ein Gesicht mit einem bestimmten Ausdruck erkennen.

Für die Situation im Foyer des KVR eignet sich das Bild aus mehreren Gründen. Zum Einen, weil dieser Ort ohnehin in der Regel zügig durchquert wird, und zum längerem Verweilen kaum einlädt, weil aber vielleicht gerade die Wahrnehmung im mitlaufenden Randbereich der Aufmerksamkeit eine günstige Gelegenheit für ungewohnte Perspektiven bietet. Zum Anderen wird mit Personenportraits im KVR täglich in großer Zahl umgegangen, aber vermutlich mit nur wenig Bewusstsein für die psychischen und sozialen Ressourcen, die dabei mit eingesetzt werden.

Auch Kunstwerke erhalten Ihren Stellenwert via Kommunikation. Deshalb soll die Installation des Bildes zusätzlich in den Rahmen einer Aktion gestellt werden, an der alle Mitarbeiter des KVR, sowie auch Besucher, teilnehmen können. Diese werden nämlich eingeladen sich an einer Abstimmung zu beteiligen, mit der geklärt werden soll, ob dieses Bild zusammen mit den Erläuterungen, die dazu veröffentlicht werden, und der Abstimmung selbst, auf Interesse stößt. Vom Ausgang der Wahl wird abhängen, was mit dem Bild weiter geschieht.

Jede/r Mitarbeiter/in des KVR hat bei dieser Wahl 1 Stimme und kann entweder mit „Ja” oder mit „Nein” stimmen. „Ja” bedeutet, die Präsentation des Bildes und die damit verbundene Abstimmung kann als Bereicherung erfahren werden. Ist das Gegenteil der Fall, dann bleibt selbstverständlich auch die Möglichkeit, mit „Nein” zu stimmen, d.h. das Bild und das Projekt „Stimmen für...” stößt auf entschiedene Ablehnung. Den Fall des schlichten Desinteresses können die Wählerinnen und Wähler hier wie auch in der Politik durch schlichte Stimmenthaltung zum Ausdruck bringen.

Die eingegangen Stimmen werden mehrmals pro Woche gezählt, und das Ergebnis der Wahl wird laufend dadurch angezeigt, dass der Glaslift, der dann auf der linken Seite eine Art von Skala enthält, proportional zu den positiven Stimmen nach oben fährt. So kann der aktuelle Stand der Wahl jederzeit abgelesen werden, und womöglich beeinflusst dieses Stimmungsbarometer das weitere Wahlverhalten. Ob das so ist, und wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des KVR, sowie dessen Besucher, auf das gesamte Projekt reagieren, soll außerdem bei Gelegenheit eines Wahlinformationstisches erkundet werden, der – falls eine Genehmigung dafür von seiten der Behörde erteilt wird – zwischendurch im Foyer bzw. vor der Kantine weitere Aufklärung und Gespräch anbietet.

Sobald der Termin für das Ende des Wahlzeitraums (12. November) abgelaufen ist, werden die Stimmen ausgezählt und die Ergebnisse auf Plakaten veröffentlicht.

Mit dem Bild wird dann wie folgt verfahren:

Fall 1: Ja-Stimmen unter 20 % der Anzahl von Mitarbeitern des KVR
Das Bild wird für drei Wochen mit grauem Stoff verhängt.

Fall 2: Ja-Stimmen zwischen 20 % und 50 % der Anzahl von Mitarbeitern des KVR
Das Bild wird noch weitere drei Wochen im Liftarchiv gezeigt.

Fall 3: Ja-Stimmen über 50 % der Anzahl von Mitarbeitern des KVR
Das Bild wird dem Kreisverwaltungsreferat als Geschenk angeboten.