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Vortrag Academy of Arts, Tbilisi, Georgien.
Beitrag vom 29.10.2012
Kunstkritik als Kunst (Seminar / Workshop)

Seit der Aufklärung tritt Kunst gepaart mit Kunstkritik auf. Die Kunstkritik ist zugleich Gegenspieler und Mitstreiter. Abgrenzungstendenzen, die die Autonomie der Kunst betreffen, fungieren aber auch innerhalb der Kunst selbst zunehmend als Kunstkritik. Der Begriff der Avantgarde markiert dabei den der Kunst inhärenten Anspruch etablierte Geschmacksnormen und damit korrespondierende bürgerlich-konsumistische Attitüden zu überschreiten. Kunstformen, die vor allem kunstkritisch sind, nehmen somit eine zentrale Position ein.

Aus dieser Perspektive wird klar, dass Kunstkritik keine autonome Instanz sein kann. Sie ist keine Wissenschaft (auch wenn sie sich auf wissenschaftliche Resourcen stützt), und sie ist keine bloße Übersetzung, kein Handwerk, weil sie eigene Formen ästhetischer Inszenierung aufnimmt oder selbst ins Spiel bringt. Innerhalb des Kunstsystems kommt ihr aber dennoch eine maßgebliche Rolle zu, insofern sie als Dialogpartner einen Garanten reflexiver Niveaus darstellt, unabhängig von den Wertungen, die sie vornimmt.

Beispielhaft wird dieser Zusammenhang anhand von Manifesten von Künstlern und Kunstkritikern vorgeführt. Manifeste sind eine Kurzform von Kunstkritik: sie grenzen sich gegenüber vorhandenen Positionen und Strömungen ab und markieren eine eigene Front.

Im Workshop soll dann versucht werden, eine solche produktive Spannung in Form von kurzen Manifesten zu erzeugen, die auf verschiedenen Ebenen auf das Kunstsystem und/oder die eigene Situation der Teilnehmer/Innen Bezug nehmen. Die Manifeste werden im Workshop diskutiert und weiter bearbeitet.